Verein zur Förderung und Pflege der Tradition der Potsdamer Riesengarde "Lange Kerls" e.V.

Das Tabakskollegium



Das Tabakskollegium, das von der Potsdamer Riesengarde aufgeführt wurde, fand in den Jahren 2010 bis 2012 im Schloß Friedrichsfelde (www.schloss-friedrichsfelde.de) in Berlin statt.

Das erste Video bietet einen guten Einblick in das Tabakskollegium 2012 im Schloß Friedrichsfelde, Berlin.
In diesem Video werden einige historische Aspekte sichtbar, welche erstmalig seit 300 Jahren wieder lebendig werden, so z.B. bleiben alle Anwesenden sitzen wenn der König eintritt und begrüßen nur "Herrn Oberst". Die spontanen Dialoge werden oftmals unterbrochen und führen letztendlich zu einer Abstimmung, die oft wesentlichen Einfluss auf die nachfolgenden Regierungsgeschäfte des Königs hatte. Danke an "Atlantis Film" die dieses Video professionell realisiert haben.

Das zweite Video bietet Ausschnitte der Tabakskollegien von 2010 und 2011 ebenfalls im Schloß Friedrichsfelde, Berlin.

Schon bei der Genaralprobe im Juni 2010 im Schloss Zermitz-Lohm, dem ehemaligen Residenzsitz des ersten Regimentschefs derer von Kröcher in der Ost Prignitz, wurde "nach einem neuem Konzept mit Alten Rezepten" das Tabakskolleg durchgeführt. So dass im Oktober 2010 darauf im Schloß Friedrichsfelde wiederum ein Tabakskollegium mit dem Soldatenkönig stattfand. Die Aufführung durch den Verein der "Langen Kerls" beinhaltete sowohl die bekannte einführende Lesung sowie die Gesprächsrunde des Tabakskollegiums nach historischem Vorbild. Themen waren dabei die verschiedenen Aspekte und Hintergründe der damaligen und heutigen Musterung mit entsprechenden Anekdoten.

Historische Informationen zum originalen Tabakskollegium des preußischen Königs im frühen 18. Jahrhundert:
"Gewöhnlich bildeten sechs bis acht der königlischen Generale und Stabsoffiziere die bestehende Gesellschaft. Hinzu kamen am Hofe anwesende Gäste, Prinzen und unterrichtete Personen aus dem Zivilstand oder interessante Persönlichkeiten, insbesondere gelehrte Personen, welche in Staatswissenschaften und in Völker- oder Erdkunde Bescheid wußten. Dabei wurden französische, holländische und deutsche Zeitungen vorgelesen und erklärende Vorträge gehalten. Wie bereits beim legendären König Artus, saß auch der Soldatenkönig auf gleicher Ebene in einer Runde mit seinen Tafelgästen. Fridrich Wilhelm I. ging sogar noch einen Schritt weiter als Artus und lies sich beim Tabakskollegium ausschliesslich als „Herr Oberst“ anreden. Alle Teilnehmer sollten offen miteinander reden und durften ihn spontan durch Fragen und Einwendungen unterbrechen. Man sprach von den Begebenheiten des Tages und unterhielt sich auch beim Essen und Trinken weiter. Jeder hatte einen Krug mit schäumenden Bier vor sich, meist Ducksteiner Bier oder Köpenicker Moll und einjeder mußte sich selbst bedienen. Auf Nebentischen befand sich eine Auswahl von Speisen (siehe Kochbuch*). Zuweilen bewirtete der König seine Gäste auch selbst mit Fisch und Salat. Zu den Speisen zählten z.B. Pökelfleisch mit Kohl, Bratwurst mit Zuckerbirnen, „kalte Platten“ mit Brot, Schmalz, Käse, Schinken, Kalbsbraten etc..."
*) „Soldatenkönigs Tafelfreuden“, e.M. Kloosterhuis, ISBN 978-3-86855-005-4, VÖ 2009

Ein Besuch bei den "Langen Kerls"
Bericht von Friedrich Hageman vom 27.03.1998
"Doch, es gibt sie noch, besser gesagt: es gibt sie wieder – die "Langen Kerls" in Potsdam. Mancher Bürger aber, insbesondere in Potsdam, hat noch immer seine Nöte mit diesen Kerlen. Dabei sind diese im Grunde genauso friedlich gesonnen wie eben jene, die da glauben, ihre einst erlernten Friedenslektionen verteidigen zu müssen – und sei es gar leicht militant mit Steinen, Tomaten oder faulen Eiern. Doch die Männer in Überlänge sind – wie ihre historischen Vorbilder auch – nicht so leicht zu erschüttern. Also pflegen sie, den Übereifrigen zum Trotz, die Tradition eines recht speziellen Erinnerns zwecks Werbung zu Gunsten ihrer Stadt, verbunden mit fröhlicher Gemeinsamkeit bei Pfeife, Bier und rustikalem Zubrot. Wie es sich eben für ein rechtes Tabakskollegium gehört.
Eine gut recherchierte, geraffte Darstellung über den Feldgeistlichen der Königsgrenadiere unter dem Preußenherrscher Friedrich Wilhelm I. nun hatte die Verantwortlichen des Traditionsvereines mobilisiert. Kurzerhand wurde der Historiker (samt Pfarrer und Gefolge, zu dem auch ich gebeten war) eingeladen, seine schriftlich niedergelegten Erkenntnisse über jenen Pater Raymundus Bruns noch einmal mündlich zwecks Abendgestaltung vorzutragen. Also fuhren wir zur Henning-von-Treskow-Kaserne nach Geltow bei Potsdam.
Vor dem Kasino angekommen empfing uns der Wachhabende in voller Mundierung und geleitete uns zum Traditionszimmer, in dessen Mitte ein langer Tisch stand, beiderseits längs dazu Bänke: „Wir Preußen sitzen hier stets auf Bänken, doch wenn es für Sie zu beschwerlich ist, besorgen wir gern einen Stuhl“. Gleichfalls Preuße, lehnte ich dankend ab. Schließlich war am oberen Ende der Tafel ein einziger Stuhl – nein, ein mit verschlissenem Leder bezogener Hochlehner plaziert, dem es keine Konkurrenz zu machen galt. Davor auf dem Tisch stand ein Bierkrug und darüber gelegt eine Tonpfeife: Falls Majestät doch noch kommen sollte. Nach kurzem Besinnen, durfte Platz genommen werden und für die an hölzerne Ständer gelehnten Tonpfeifen hieß das Kommando Feuer frei! Nur ich hatte völlig ahnungslos ein paar leichte Zigarillos dabei. Der gastgebende Unteroffizier der Bundeswehr neben mir legte sanft seine Hand darauf und schüttelte den Kopf. Ich bedauerte sofort, keinen zünftigen Schmauchkolben vorweisen zu können. Mein Nachbar bedeutete mir, einen Moment zu warten. Kurz darauf kam er mit einem zigarilloähnlichen Knösel wieder, den Kenner als Krummer Hund bezeichnen. Auf diese Weise rehabilitiert, konnte ich nun ebenfalls den erlaubten Rauch genießen. Es wurde ein langer, gesprächsreicher amüsanter Abend. Der Vortrag erfreute alle und die Gäste hörten danach, bei Schinken, Käse, Brot und reichlich Bier noch manches über die Aktivitäten der "Langen Kerls" in historischen Uniformen als Werbeträger für Potsdams Ansehen – selbst auf der Steubenparade in Amerika. Mit der Zusicherung gegenseitiger Sympathie und eines möglichen Wiedersehens fuhren wir zurück."

Die Tafelfreuden des Soldatenkönigs wurden im Schloss zubereitet von Red Star Catering (www.redstarcatering.de).
Der Pfeifentabak in der Tradition des preußischen Tabakskollegium stammt von der Firma Planta, durch deren freundliche Unterstützung wurden die beiden originalen Sorten "Königlich Preußisches Tabakskollegium 1720" und "... 1722" - sowie Tonpfeifen bereitgestellt und genutzt (www.planta-tabak.de).
Ausserdem wurde die gesellige Tafelrunde unterstützt mit unterschiedliche Biersorten aus der Neuzeller Klosterbrauerei (www.klosterbrauerei.com).
Allen sei hiermit nochmals gedankt !
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